Girls Girl oder Hater? Was Sisterhood wirklich bedeutet

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Wir alle kennen sie: “Girls support Girls”, “Girls Girl”, “Girl Code” – diese Begriffe kleben inzwischen auf T-Shirts, in Instagram-Captions und in den Bios der Podcasts. Und wenn du mich fragen würdest: „Bist du ein Girls Girl?“
Würde ich sofort sagen: Klar!

Ich bin mit Schwestern groß geworden – für mich war Sisterhood nie nur ein Hashtag, sondern Alltag. Natürlich gibt’s mal Zoff (aus Prinzip 😄), aber unterm Strich: Wir supporten uns. Bedingungslos.

Und genau deshalb trifft es mich jedes Mal ein bisschen, wenn ich im echten Leben das Gegenteil erlebe.


Storytime: Mein Samstagabend

Letztes Wochenende war ich mit einem Freund unterwegs. Wir wollten spontan in eine gehypte Cocktailbar – es war Samstagabend, also natürlich: der Laden war voll.

Nach kurzer Suche fanden wir einen Tisch mit zwei freien Plätzen. Ein „Pärchen“ saß dort – wobei es eher nach einem ersten Date aussah, beide schon leicht angeheitert. Ich dachte: Cool, die haben Spaß.

Mein Kumpel fragte freundlich, ob wir uns dazusetzen dürften. Die Frau machte nur so eine halbherzige Handbewegung. Kein Lächeln. Kein „Klar, gerne.“ Ich glaube, ich habe sogar ein Augenrollen gesehen.

Okay, fein. Ich ließ mich davon nicht stressen. Ich baute trotzdem Augenkontakt auf, schenkte ihr mein freundlichstes „Hi!“ – und bekam nur einen abschätzenden Blick zurück. Kein Wort. Kein Lächeln. Nichts.

Und in dem Moment dachte ich: „Girl, was ist passiert?“

Ich nehme so etwas nicht persönlich. Denn wie jemand dich behandelt, sagt meist mehr über sie als über dich. Aber schade finde ich es trotzdem.
Gerade hier in Deutschland mache ich solche Erfahrungen häufiger.
Stille im Aufzug. Side Eyes. Unnötige Spannung.

Und dann fragte ich mich:
Wo ist eigentlich diese Sisterhood, über die alle so gerne posten?

Und nein – ich erwarte nicht, dass jede Frau meine neue beste Freundin wird. Aber ein bisschen menschliche Wärme? Ist das wirklich zu viel verlangt?


Warum wir oft nicht gönnen können

Ich geb’s zu: Solche Begegnungen machen mich manchmal anti-social, obwohl ich das eigentlich gar nicht bin.

Und ja – es gibt Gründe, warum manche (!) Frauen sich so verhalten. Meistens ist es Konkurrenzdenken. Sie denken, dein Licht dimmt ihres. Dass du ihnen etwas wegnimmst – allein durch dein Auftreten.

Sie können oft nicht mal etwas dafür.

Wir haben das nicht erfunden. Wir wurden da reinerzogen.

Die Gesellschaft hat Frauen jahrzehntelang gegeneinander ausgespielt: Wer ist schöner? Dünner? Begehrenswerter?
Wer kriegt den Mann? Den Job? Die Anerkennung?

Wir wurden sozialisiert, uns zu vergleichen – nicht zu verbinden.
Kein Wunder, dass viele von uns tief in sich diesen Reflex tragen:
„Wenn sie gewinnt, verliere ich.“

Unpopular opinion:
Frauen zu spalten war (und ist) eine Strategie des Patriarchats, um zu kontrollieren.
Stell dir mal vor, Frauen würden wirklich zusammenhalten. Merkst was?


Was ist eigentlich ein Girls Girl?

Für mich ist eine Girls Girl eine Frau, die andere Frauen nicht als Bedrohung sieht.
Sie freut sich ehrlich mit dir, wenn du strahlst.
Sie braucht dich nicht klein zu machen, um sich groß zu fühlen.
Und vor allem: Sie gönnt – auch wenn sie selbst noch nicht da ist, wo sie hinwill.

Aber – und das ist wichtig: Niemand wird als Girls Girl geboren. Es ist eine bewusste Entscheidung.


Bin ich ein Girls Girl – oder gerade ein Hater?

Hier ein kleiner Reality-Check:

  • Fühlst du dich unwohl, wenn eine andere Frau Aufmerksamkeit bekommt?
  • Hast du dich schon mal über jemandes Scheitern ein bisschen zu sehr gefreut?
  • Scrollst du durch Insta und fühlst dich automatisch schlechter, wenn du eine erfolgreiche Frau siehst?

Wenn du innerlich Ja gedacht hast: Kein Grund zur Panik.
Das ist kein Makel – das ist ein Spiegel.

Der Shift beginnt mit Ehrlichkeit.

Es geht nicht darum, dich zu verurteilen. Sondern zu erkennen:
Da ist ein Teil in mir, der heilen darf.

Denn eine Frau, die ihren Selbstwert kennt gönnt.
Weil sie weiß: Das Licht der anderen nimmt ihr nichts weg – es macht nur den Raum heller.


Wie du Sisterhood (wieder) auferstehen lässt

Erkenne den Trigger als Chance zur Heilung
Wenn dich jemand triggert, frag dich: Was spiegelt sie mir? Was wünsche ich mir selbst?

Tausche Vergleich gegen Verbindung
Kommentiere bewusst etwas Nettes unter dem Bild einer Frau, die dich (grundlos) genervt hat.
Du wirst merken: Gönnen fühlt sich besser an als Groll.

Feier dich selbst – ohne andere zu entwerten
Du darfst wachsen. Leuchten. Laut sein. Ohne dich über andere zu stellen.

Reflektiere deine Gedanken
Wie sprichst du über andere Frauen – in deinem Kopf? Und wie über dich selbst? Beides hängt zusammen.


Let’s keep it real:

Wenn du dich jetzt ertappt fühlst – Glückwunsch.
Denn das ist der erste Schritt raus aus dem Hater-Modus und rein in echte Sisterhood.
Wir müssen nicht perfekt sein. Aber wir dürfen bewusster sein.
Und wir dürfen uns jeden Tag neu entscheiden:
Zieh ich andere runter – oder heb ich sie hoch?

✨ Was bedeutet „Girls Girl“ für dich? Hast du dich bei einem der Punkte ertappt gefühlt?
Let’s talk about it – ehrlich & ohne Shame.

Danke, dass du hier bist. ❤️

xoxo,
Betty


Legende:

  • Girls Girl – Eine Frau, die andere Frauen aktiv unterstützt, ihnen gönnt, sie ermutigt. Bedingungslos.
  • Side Eyes – Ein subtiler (oder auch nicht so subtiler) abschätziger oder skeptischer Blick.
  • Unpopular Opinion – Eine Meinung, die nicht dem Mainstream entspricht oder anecken könnte.
  • Anti-social – In dem Fall: zurückhaltend im Sozialverhalten. Oft eine Schutzreaktion 
  • Reality Check – Ein Moment der Klarheit, in dem man sich ehrlich reflektiert.
  • Hater – Eine Person (oft unbewusst), die andere kritisiert oder abwertet.

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