Erdbeerwoche? Warum ich den Begriff nicht mehr hören kann

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Hey Friend,
Wie war dein Wochenende? Ich hoffe, besser als meins, denn ich lag wieder mit der sogenannten “Erdbeerwoche” flach. Ernsthaft, wieso nennt man das so? Wieso wird diese schmerzhafte Woche der Frau so verniedlicht? I do not get it…

In meinen 20ern war die besagte Woche noch ein Kinderspiel. Ich konnte problemlos arbeiten, Sport machen und meinem Alltag nachgehen. Mit 30 fing es dann an, dass die PMS-Symptome immer deutlicher wurden.


PMS: Wenn dein Körper entscheidet, einfach mal Drama zu machen

PMS steht für prämenstruelles Syndrom und ist die wundervolle Phase, in der dein Körper sich entscheidet, absolut unberechenbar zu sein. Circa eine Woche vor der Periode bekommst du als Bonuspaket Emotionen, die zwischen „Ich liebe mein Leben“ und „Ich kündige morgen alles und wandere aus“ schwanken. Dazu gibt’s Wassereinlagerungen, Heißhunger und Stimmungsschwankungen for free. Jede Frau erlebt PMS anders – manche merken nichts, andere möchten sich für ein paar Tage offiziell vom Leben abmelden. Welcome to the club.

Viele (v.a. Männer) haben keine Ahnung, was es damit auf sich hat. Ehrlich gesagt bin ich es leid, dass es immer noch als Tabuthema behandelt wird, obwohl es die normalste Sache der Welt ist. Frauen bluten einmal im Monat – seit dem Urknall! Trotzdem wird es oft als etwas „Unreines“ dargestellt. Warum eigentlich?

Mal ehrlich: Warum wird Periodenblut als „eklig“ wahrgenommen, aber eine blutige Schürfwunde nicht?
Schnittwunden, Nasenbluten, sogar Blutspritzer in Actionfilmen – alles normal. Aber sobald es um Periodenblut geht, ziehen alle das Gesicht. Es ist buchstäblich das gleiche Blut.

Und noch besser: Warum gibt es in Perioden-Werbespots immer blaue Flüssigkeit? 😂
Blaue. Flüssigkeit. Als hätte eine menstruierende Frau einen Bildschirmfehler. Können wir bitte aufhören, so zu tun, als wäre das etwas Unnatürliches?


Von der geheimen Organisation zur Realität der Schmerzen

Als ich meine erste Periode bekam, wusste ich zumindest, dass sie existiert. Ich hatte ältere Freundinnen, die mich in das „Geheimnis“ eingeweiht hatten – als würde man dann in eine geheime Organisation aufgenommen werden. Als es dann soweit war, war ich nicht völlig schockiert. Aber weißt du, was mir fehlte? Das Wissen, was eigentlich in meinem Körper passiert.

Erst Jahre später begann ich, mich wirklich mit dem Zyklus der Frau auseinanderzusetzen – und ich war geschockt, was unser Körper monatlich durchmacht. Wie gesagt, anfangs war es zwar lästig, aber es hat mich nicht eingeschränkt. Mit 30 wurde es dann eine ganz andere Nummer.

Ich bin schlapp – so richtig schlapp. Emotional und oft reizbar. Manchmal möchte ich mich einfach mit einer Tüte Chips ins Bett verkriechen. Und das Schlimmste daran? Man hat null Kontrolle darüber. Man kann es eigentlich nur akzeptieren und sich einreden, dass es bald wieder vorbei ist.

Wenn die Periode dann kommt, wird es aber nicht besser. Die ersten zwei Tage gleichen einem Höllenritt und ich frage mich jedes Mal:
„Shit, wenn das schon so schmerzhaft ist, wie soll ich jemals Kinder bekommen?“ lol.

Ein besonders schlimmer Monat? Letzte Woche.

Ich war im Büro und konnte vor Schmerzen nicht mal mehr sitzen. Ständig bin ich aufgestanden, bin herumgelaufen, in der Hoffnung, dass Bewegung hilft. Selbst eine Ibu 400 (mein letzter Hoffnungsschimmer) konnte den Schmerz nicht stillen. Ich begann, ein Hohlkreuz zu machen und mein Becken zu kreisen (Schwanger oder Periode?). Hätten meine Kolleg*innen mich dabei gesehen, glaub mir, der Flurfunk hätte sonst was daraus gemacht. lol.

Die darauf folgende Nacht war nicht besser (danke, Vollmond). Ich war unruhig. Ständig war mir heiß und kalt im Wechsel. Werde ich krank? Als der Wecker dann klingelte, wusste ich es: Kopfschmerzen. So stark, dass ich mich fast übergeben hätte – hätte ich denn was im Magen gehabt. Also: Ibu, Wärmflasche, zurück ins Bett.

36 Stunden lang. Das war mein Wochenende. Pläne? Abgesagt. Der Eisenmangel hatte mich komplett ausgeknockt.


Periode: Die unterschätzte Grundlage des Lebens

Und jetzt frage ich dich: Warum redet niemand darüber?

Die Menstruation ist der Grund, warum es Menschen gibt – und trotzdem wird sie behandelt, als wäre sie etwas, wofür man sich schämen muss. Ohne den Zyklus der Frau würde es keine Geburten geben. Keine Nachkommen. Keine Menschheit.

Und trotzdem wird sie tabuisiert, ignoriert und als „unwichtig“ abgetan.

Schmerzen, Schwindel, Übelkeit – aber „Stell dich nicht so an!“

In meiner Realität sind nicht alle Monate so schlimm, aber für viele Frauen ist das, was ich beschrieben habe, die absolute Norm. Frauen mit chronischen Erkrankungen wie Endometriose oder PCOS leiden jeden Monat Höllenqualen – und werden dann noch mit Sätzen wie „Stell dich nicht so an“ abgewimmelt.

Also, an die Menschen da hinten auf den billigen Plätzen:
Frauen haben sich das nicht ausgesucht! Keine Frau steht morgens auf und denkt sich: „Geil, jetzt heule ich wieder wegen einem Hundevideo.“

Und seien wir ehrlich: Wenn Männer das durchmachen müssten, gäbe es längst ein Heilmittel. I said what I said…


Warum wir endlich lauter werden müssen

Letztes Jahr habe ich eine Erfahrung gemacht, die mich richtig zum Nachdenken gebracht hat.

Wir saßen in einer Bar, als eine junge Frau an unseren Tisch kam (wir waren nur Frauen) und leise nach einem Tampon fragte. Ich hatte zum Glück welche dabei und hielt ihr einen hin. Sie erstarrte – dann nahm sie ihn schnell und versteckte ihn sofort.

Warum?

Weil niemand sehen sollte, dass sie ihre Tage hatte.

Wie absurd ist das bitte?

Männer können sich öffentlich den Schritt kratzen, ohne dass jemand mit der Wimper zuckt – aber eine Frau darf nicht sichtbar einen Tampon in die Hand nehmen?

Warum schämen wir uns für etwas, das die Basis des Lebens ist?


We have to do better.

Wir können nicht über den medizinischen Fortschritt klagen und gleichzeitig unsere Tampons unter dem Tisch weiterreichen.

🔹 Wir müssen lauter werden.
🔹 Wir müssen aufhören, unsere Schmerzen kleinzureden.
🔹 Wir müssen unsere Brüder, Freunde, Partner und Kollegen sensibilisieren.

Denn solange wir schweigen, ändert sich nichts.

Was bedeutet das konkret?

✔️ Sprich offen über deine Periode. Egal ob mit Freundinnen oder Männern – das Thema gehört in den Alltag.
✔️ Erklär es Männern in deinem Umfeld. Dein Bruder, Freund oder Vater hat keine Ahnung, was du durchmachst, wenn du es ihm nicht sagst.
✔️ Fordere bessere Aufklärung. Warum lernen wir in der Schule mehr über Photosynthese als über den weiblichen Zyklus?


Ich sage dir ganz ehrlich: Auch für mich ist das ein Lernprozess. Noch vor ein paar Jahren hätte ich Tampons wahrscheinlich auch lieber unter der Hand weitergereicht, als offen über meine Periode zu sprechen. Ich war selbst geprägt von diesen veralteten Denkmustern – und genau deshalb weiß ich, wie tief sie in uns sitzen.

Aber ich wachse. Ich hinterfrage. Ich spreche Themen an, die mir früher unangenehm waren. Und genau das möchte ich mit diesem Blog auch für dich tun: Räume öffnen, Tabus brechen, uns gemeinsam weiterentwickeln.

Wir müssen nicht von heute auf morgen perfekt in unserer Selbstverständlichkeit sein. Aber jeder Moment, in dem wir aufhören, uns für das Normalste der Welt zu schämen, ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Also, lass uns zusammen lauter werden.

Was denkst du darüber? Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht oder fällt es dir leicht, offen mit dem Thema umzugehen? Schreib’s mir in die Kommentare oder auf Instagram – ich freue mich auf den Austausch!

Danke, dass du hier bist. ❤️

xoxo,
Betty

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