Schluss mit Body-Shaming: Wie ich gelernt habe, meinen Körper zu lieben

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„Betty, wenn du 10 kg weniger hättest, wärst du eine richtige Bombe.“

Diesen Satz habe ich nicht einmal gehört, sondern mehrmals. Und weißt du, was das Schlimmste daran war? Ich habe es geglaubt.

Ich dachte wirklich, dass mein Körper nicht “richtig” sei. Dass ich erst ab einem bestimmten Gewicht „perfekt“ wäre. Dass ich erst dann Respekt, Liebe und Bewunderung verdiene.

Body-Shaming* hat mich nicht erst als Erwachsene getroffen – es war immer da.


Body-Shaming in der Luft – Mein Leben als Flugbegleiterin

Wie du vielleicht weißt, war ich viele Jahre Flugbegleiterin. Ich war ziemlich jung, als ich bei der größten deutschen Fluggesellschaft angefangen habe, und ehrlich gesagt auch nicht wirklich selbstbewusst. Kurz vor der Ausbildung hatte ich viel zugenommen – aber so wurde ich eingestellt, also dachte ich mir nichts dabei. In den ersten sechs Monaten wurde mir dann gleich zweimal von meinen Pursern* gesagt, ich müsse abnehmen. Es handle sich hier ja um einen „sehr weiblichen“ Job (was auch immer das heißen soll) und ich müsse die Firma “repräsentieren”. Die Worte haben sich in mein Gehirn eingebrannt.

Wir reden hier vom Jahr 2012, nicht von 1953.

Man beachte: Mein Gewicht hatte keine Auswirkungen auf meine Arbeit. Ich konnte mich problemlos durch die Gänge bewegen, war physisch fit genug, um die Sicherheit an Bord zu gewährleisten – sonst hätte ich die Ausbildung gar nicht bestanden. Aber Body-Shaming hatte sich längst in mein Leben eingenistet.


Wie alles begann – Body-Shaming von klein auf

Der erste Kontakt mit Body-Shaming begann nicht erst im Job. Sondern in meiner Kindheit.

Direkt in der Pubertät, als die ersten Kurven kamen, wurde mein Gewicht offen kommentiert. Familienmitglieder nannten mich „Fetty“, und ich bekam ständig zu hören, ich solle aufpassen, was ich esse. Meine erste Diät hatte ich mit 15 Jahren, bei einer Kleidergröße von 36-38.

Von da an war mein Gewicht ein ständiges Auf und Ab – mal Diäten, mal Jojo-Effekt. Und dann kam die Zeit als Flugbegleiterin, eine Phase, in der mein Selbstwert eigentlich wachsen sollte. Stattdessen passierte das Gegenteil.

Ich kämpfte ständig mit meinem Gewicht. Ich nahm ab und wurde für den Gewichtsverlust bewundert. Ich nahm zu – und wurde dafür kritisiert. Ständig bekam ich ungefragt irgendwelche Abnehmtipps. 

Dieser ganze Unsinn ging sogar so weit, dass ich meinen Körper nicht mehr zeigen wollte. Während meine Freundinnen im Sommer in Shorts und Bikini herum rannten, trug ich schwarze Leggings und T-Shirts (niemals ärmellos). Schwimmen gehen war nicht drin. Jahrelang habe ich mich nicht ins Freibad getraut. Und das nur, weil mir eingeredet wurde, mein Körper sei nicht gut genug. Kannst du das glauben?

Und das Problem war: Es hörte nicht auf.

Egal, ob ich mal dünner oder schwerer war – mein Körper wurde immer kommentiert. Beim Arzt wurde ich oft nicht mal richtig untersucht, sondern mein Gewicht war automatisch an allem schuld. Dabei war ich nie in einem Bereich, in dem mein Gewicht mich in irgendeiner Weise eingeschränkt hätte.

Aber Body-Shaming fängt nicht bei Übergewicht an. Frauen, die schlank sind, werden direkt als „krank“ abgestempelt. Es wird ihnen gesagt, dass sie mal mehr essen sollen, ohne überhaupt zu wissen, was in diesen Menschen vorgeht.


Body-Shaming ist mehr als nur Gewicht

Body-Shaming betrifft nicht nur Frauen, die als „zu dick“ oder „zu dünn“ gelten. Es betrifft:

❌ Frauen mit dunklerer Haut – weil „heller wäre schöner“.
❌ Frauen mit Körperbehaarung – weil „glatt besser aussieht“.
❌ Frauen mit breiteren Schultern – weil „feminin anders aussieht“.
❌ Frauen mit Narben, Dehnungsstreifen, Cellulite – weil „makellos das Ziel ist“.

Ich habe gemerkt: Je weiter mein Körper sich von diesem unrealistischen „Idealbild“ entfernt hat, desto mehr Kommentare gab es.


Der Wendepunkt: Raus aus dem Scham-Käfig

Ich hatte irgendwann keine Kraft mehr. Während der Pandemie nahm ich wieder zu – und die Reaktionen der Leute haben mich einfach sprachlos gemacht. Menschen erschraken sich regelrecht, wenn sie mich sahen. Also habe ich mich zurückgezogen.

Ich ging nur noch raus, wenn es wirklich sein musste – und dann nur unter Menschen, die mich so liebten, wie ich bin

Dann kam der Wendepunkt.

Ich begann, mehr in Länder zu reisen, in denen das westliche Schönheitsideal nicht regiert. Plötzlich wurde ich anders behandelt – normal. Ich bekam sogar Komplimente für mein Aussehen. Ich traf Frauen, die deutlich mehr wogen als ich – und trotzdem mit einem Selbstbewusstsein durch die Welt liefen, das keine Sekunde Platz für Shaming ließ.

Diese Frauen wurden sicher auch mit Sprüchen konfrontiert – aber es prallte an ihnen ab.

Ich fing an, mich wieder zu zeigen. Ich trug Bauchfrei, enge Kleidung – einfach das, worauf ich Lust hatte. Meine „Problemzonen“ waren noch dieselben, aber es war mir wirklich egal. Ich fing an, Frauen auf social media zu folgen, die aussahen wie ich. Frauen, die sich trotz ihrer Körpergröße selbstbewusst zeigen. Sie inspirierten mich. 

Und weißt du, was passiert ist? Die Kommentare wurden weniger. Ich nahm die Blicke nicht mehr wahr. Weil ich dem Ganzen keine Bühne mehr gab.

Denn eins habe ich verstanden:

Diese ganzen Schönheitsideale sind ein Witz. Sie basieren auf:

  • Bearbeiteten Social-Media-Bildern
  • Operierten Influencer*innen
  • Einem Bild der „perfekten Frau“, die nicht existiert.

Ich habe keine Lust mehr, nach einer Illusion zu streben.


Warum wir uns befreien müssen – für uns und die nächste Generation

Body-Shaming ist kein persönliches Problem – es ist ein gesellschaftliches. Und es wird von Generation zu Generation weitergegeben.

Ich habe mich lange gefragt: Wer profitiert davon, dass wir Frauen uns immer minderwertig fühlen?

Die Antwort ist einfach: Die Schönheitsindustrie. Die Diät-Industrie. Die Mode-Industrie.

Wir geben Milliarden aus, um einem Standard zu entsprechen, der niemals real war. Und während wir uns mit unserem Körper beschäftigen, vergessen wir unsere eigentliche Kraft.

Also hier ein Reminder für dich:

🌸 Dein Wert liegt nicht in deiner Kleidergröße.
🌸 Du bist nicht schöner, wenn du kleiner, größer, dünner, kurviger bist.
🌸 Dein Körper ist nicht dafür da, um anderen zu gefallen.

Und wenn du wirklich etwas verändern möchtest, dann mach es für dich! Nicht um anderen zu gefallen. Denn eins ist klar, die Menschen werden immer etwas finden, was sie an dir kritisieren können. 


Wie wir Body-Shaming endgültig hinter uns lassen

Hinterfrage, woher deine Unsicherheiten kommen.
Wer hat dir beigebracht, dass du „nicht schön genug“ bist?

Lösche toxische Social-Media-Profile.
Niemand braucht täglich bearbeitete Instagram-Bilder, die mit der Realität nichts zu tun haben.

Trage, was du willst.
Du willst bauchfrei? Trage bauchfrei. Du liebst deine Arme, auch wenn sie nicht dünn (oder “zu dünn”) sind? Zeig sie!

Hinterfrage Menschen, die dich über dein Äußeres definieren.
Ein Mensch, der dich liebt, liebt dich nicht wegen einer Zahl auf der Waage.

Gib keinen Raum für Body-Shaming.
Sag klar, wenn ein Kommentar übergriffig ist. Du bist nicht verpflichtet, freundlich zu bleiben, wenn jemand deinen Körper bewertet.


Dein Körper, deine Regeln.

Wir sind so viel mehr als unser Körper – wir sind unsere Energie, unser Lachen, unser Herz. Und das wird nicht durch ein paar Kilos, durch Cellulite oder Dehnungsstreifen definiert.

Ja, du kannst die Gesellschaft nicht über Nacht ändern. Aber du kannst inspirieren. Denn je mehr du deinen Körper liebst, desto mehr veränderst du deine eigene Realität.

Seitdem ich meinen Körper so liebe, wie er ist, hat sich alles verändert. Die kritischen Stimmen verstummten, und stattdessen traten Menschen in mein Leben, die nicht mein Aussehen bewerteten – sondern mein Selbstbewusstsein bewunderten.

Du formst deine Realität! Vergiss das niemals.

Was sind deine Erfahrungen mit Body-Shaming? Schreib’s mir in die Kommentare oder auf Instagram – ich freue mich auf den Austausch!

Danke, dass du hier bist. ❤️

xoxo,
Betty


Legende:

  • Body-Shaming – Menschen aufgrund ihres Körpers abwerten oder kritisieren. Ein NO GO!
  • Purser – Kabinenchef oder -chefin in der Luftfahrt.

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