Meine Heimat, meine Identität – und die Frage, was jetzt passiert

By

Ich rede nicht gerne über Politik – aber das hier muss sein. 

I know I’m late, aber ehrlich gesagt brauchte ich ein paar Tage, um mich vom Schock der Bundestagswahlen zu erholen. Schon die Tage davor lag eine Anspannung in der Luft – so stark, dass sie sich buchstäblich in meinen Schultern manifestiert hat. Das ganze Wochenende verbrachte ich also zu Hause, lenkte mich mit Haushalt und lustigen Podcasts ab, als würde ein perfekt sortierter Kleiderschrank die innere Unruhe vertreiben können.

Ich wusste, etwas wurde in mir getriggert. Und ich war nicht allein damit. Social Media war überfüllt mit Meinungen der Hobby-Politik-Analysten, während unser Bundeskanzler als erste Amtshandlung einen Kriegsverbrecher anrief. But that’s a story for another day.

Ich will hier keine bad vibes verbreiten, aber ich habe mir versprochen, immer real zu bleiben. Und real bedeutet auch, ehrlich zu sagen: Es fühlt sich nicht gut an.


Deutschland ist Teil meiner Identität – egal, was sie sagen

Zwei Tage Ablenkung und ein aufgeräumtes Zuhause haben nichts an dem Gefühl geändert, das sich schwer in meiner Brust anfühlte. Ist es Wut? Enttäuschung? Oder doch Angst? Wiederholt sich die Geschichte? Was passiert mit uns? Die Gedanken kreisten.

Ich kann nur für mich sprechen. Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen. Ich habe nie woanders gelebt. Meine Eltern flohen in den 80ern aus Eritrea vor dem Krieg ins Schwabenland und gaben alles auf, damit wir in Frieden aufwachsen können.

Also ja, ich fühle mich angesprochen, wenn von „Abschiebetickets“ und “Remigration” die Rede ist. Deutschland ist meine Heimat. Deutsch ist meine erste Sprache. Natürlich bin ich eritreisch geprägt, ich spreche Tigrinya (mit einem peinlich deutschen Akzent, aber hey, I try). Aber im Herzen bin ich auch Schwäbin – und das kann mir niemand nehmen.

Ich denke schon seit längerem darüber nach, auszuwandern. Aber egal, wohin es mich eines Tages verschlägt: Deutschland wird immer Teil meiner Identität bleiben. Selbst wenn sie mir den Pass wegnehmen würden – das, was ich hier erlebt, gelernt und aufgebaut habe, bleibt.


Panik hilft uns nicht – Zusammenhalt schon

Not gonna lie, ich habe Angst, wenn ich an die Zukunft denke. Wie wird sich dieses Land entwickeln? Wie wird sich die Gesellschaft verändern?

Aber Panik hilft uns nicht. Jetzt mehr denn je müssen wir aufhören, nur an uns selbst zu denken, und anfangen, im Kollektiv zu handeln. Wir müssen zusammenhalten. Redet miteinander, gebt euch gegenseitig Hoffnung.

Denn Spaltung ist genau das, was uns jetzt nicht helfen wird. Die Frage ist: Wählen wir Hass und Ausgrenzung – so wie diese Menschen es tun? Oder wählen wir Frieden und Liebe?


„Wir“ vs. „Die“? Nein. 

Es gibt dumme und gefährliche Menschen – in jeder Nationalität, jeder Hautfarbe, jeder Religion. Aber ich weigere mich, Menschen deswegen in Schubladen zu stecken. Denn wenn wir anfangen, so zu denken, sind wir nicht besser als die, die uns entmenschlichen wollen.

Wenn wir nicht wollen, dass sich die Geschichte wiederholt, dann müssen wir aufhören, in Mustern von „Die“ und „Wir“ zu denken. Wir müssen aufhören, ganze Volksgruppen als „gut“ oder „böse“ zu klassifizieren. Jeder Mensch ist individuell.

Entweder wir checken das – oder das Universum wird uns immer wieder vor diese Challenge stellen. Immer wieder.

Und ich sag’s euch ehrlich: Ich bin es leid, in Angst zu leben. Angst vor der Zukunft, Angst vor Hass.


Was will ich meinen Kindern erzählen?

Ich möchte eines Tages meinen Kindern sagen können: „Es war schwer, aber wir haben es geschafft. Gemeinsam.“

Ich will ihnen nicht von Deutschland als Heimat erzählen müssen, die ich verlassen habe, weil Hass mich dazu gezwungen hat – so wie meine Eltern es durchmachen mussten. Dieses Trauma zieht sich durch Generationen. Und ich will, dass es hier endet.

Also, wenn du auch nur einen guten Freund oder eine Freundin mit Migrationshintergrund hast:

  • Check on them.
  • Hör zu, frag nach, sei da.
  • Es kommt gerade viel hoch – und es hilft, darüber zu reden.

Hoffnung finden – trotz allem.

Zufälligerweise (joke, es gibt keine Zufälle) war ich auf dem Konzert von Ronis Goliath, einem unglaublich talentierten Sänger mit Wurzeln in Kamerun. Seine EP heißt Berlin to West Africa – und er erzählte, wie er als Kleinkind nach Deutschland kam, hier aufgewachsen ist und versucht, beide Kulturen zu vereinen, ohne sich selbst zu verlieren.

Während er so erzählte, schaute ich mich im Club um und erkannte, wie verschieden wir alle waren. Kein homogenes Publikum – Herkunft, Alter, Aussehen – alles unterschiedlich. Und trotzdem hatten wir alle das gleiche Ziel: eine gute Zeit zu haben.

Das gab mir Hoffnung. Zu sehen, dass diese Menschen noch existieren. Offene, coole Menschen. Schwer zu beschreiben, aber es gab mir so viel positive Energie.

Und als ich am nächsten Morgen aufgewacht bin, war meine Laune wie ausgewechselt. Und das hatte nichts mit dem Außen zu tun – es waren immer noch f*cking 6 Grad und graues Wetter, und zu allem Übel hatte ich nur fünf Stunden geschlafen (Morgenmuffel lässt grüßen).

Nein, es kommt immer aus deinem Inneren.


Was tun, wenn die Angst bleibt?

Wenn du dich gerade ängstlich oder unwohl fühlst, dann sprich darüber. Rede mit deinen Liebsten, tausche dich mit Menschen aus, die dich verstehen. Bleib nicht allein mit deinen Gedanken – denn du bist nicht allein.

Finde kleine Dinge, die dir Hoffnung geben. Umgib dich mit Menschen, die Licht in dein Leben bringen. Konsumiere Inhalte, die dir guttun. Und vor allem: Erinnere dich daran, dass wir schon so viel durchgestanden haben – und dass wir es auch diesmal schaffen werden.

Was gibt dir gerade Hoffnung? Was tust du, um mit deinen Ängsten umzugehen? Teile deine Gedanken in den Kommentaren oder schreibe mir auf Instagram.

Danke, dass du hier bist. ❤️

xoxo,
Betty

Hinterlasse einen Kommentar